Mietsystem für Solarlampen SOLAR 2007-1

1.  Ausgangssituation

 weltweit mehr als 2 Milliarden Menschen ohne Zugang zu elektrischer Energie
 ca. 50 Millionen Petroleumlampen in Afrika

Eigenschaften der Petroleumlampe
schwaches Licht
gesundheitsschädigende Ruß- und Geruchsbelästigung
Verbrennungsgefahr
ca. 80 kg CO2 jährlich
ca. 3 Liter Brennstoff (Petroleum, Kerosin) monatlich
ca. 3 € Brennstoffkosten monatlich (Monatsgehalt eines Lehrers ca. 60 €)

Alternative: Solarlampe SOLAR 2007-1 (speziell für den Einsatz in „Entwicklungsländern" konzipiert)
5  mal helleres Licht als mit der Petroleumlampe
völlig ohne gesundheitsschädigende Belästigung
gefahrlos
keinerlei CO2-Ausstoß
robuste Bauweise
hohe Betriebssicherheit (u. a. Überladungsschutz, kurzschluss- und verpolungssicher)
hohe Akzeptanz bei den potentiellen Nutzern u. a. dank hoher Qualität
niedrige Kosten für Werkzeugsatz
einfache Montage der Bausätze in den „Entwicklungsländern"
hohe Anschaffungskosten: ca.90  € (= 1,5 Monatsgehälter eines Lehrers) und damit ein Verkauf an die potentiellen Nutzer praktisch chancenlos

2.  Zielsetzungen des Mietsystems

sofortige Verfügbarkeit von Solarlampen für die Nutzer ohne lange Ansparzeit
Solarlampen nicht verschenken sondern die Nutzer im Rahmen ihrer Möglichkeiten beteiligen:

Mietgebühren in Höhe der heutigen Brennstoffkosten
erschwingliche Kaution bei Übernahme der Lampe durch den Nutzer, um den sorgfältigen Umgang mit der Lampe zu fördern und die finanzielle Basis zu stärken

qualifizierte Arbeitsplätze schaffen und dauerhaft sichern
Full-Service, Reparatur und umweltgerechtes Recycling der verbrauchten Akkus sicherstellen
schrittweiser Aufbau einer funktionierenden Organisation
langfristige Schaffung von Finanzierungsmöglichkeiten für Gemeinschaftsaufgaben, wie z. B. : Schulgeld für Kinder, Schulausstattung, Lernmittel, Bau von Brunnen, Wiederaufforstung, Beschaffung von Saatgut, Dünger, etc.
evtl. Ausweitung auf weitere Produkte, wie z. B. Solarkocher
bei den Nutzern die Wichtigkeit des Umweltschutzes bewusst machen und gleichzeitig CO2 einsparen

3.  Voraussetzungen

Um ein Mietsystem einführen zu können sind generell folgende Voraussetzungen zu erfüllen:

Anschubfinanzierung des Projekts durch Projektträger für

Werkstattausstattung (Raum, Werkbank, Regale, Fahrrad, ...)
Werkzeugsatz
200 (oder mehr) Bausätze und dazugehörige Solarmodule
Werkstatt- und Personalkosten für mindestens 3 Monate
Organisation vor Ort
Ausbildung der Organisatoren und Werkstattmitarbeiter

4.  Das Mietsystem in Tansania

Für Tansania gelten aktuell folgende Bedingungen:

monatliche Kosten für Brennstoff (Kerosin oder Petroleum)

3,00 €

einmalige Kaution bei Übernahme der Lampe

5,00 €

monatliche Mietgebühr

2,00 €

monatlicher Verwaltungskostenanteil

0,10 €

monatliche Netto-Einnahme zur Finanzierung

1,90 €

monatliche Werkstattkosten einschließlich Personal

60,00 €

Gesamte Kosten der Solarlampe SOLAR 2007-1 als Bausatz und Solarmodul, inkl. Versandkostenanteil (5,00 €), Zoll (0,00) und ggf. Steuern (0,00)

90,00 €

Kosten für Ersatz-Akku

12,00 €

Auf Basis der obigen Werte ergibt sich bei einer Reinvestition der Überschüsse (Einnahmen abzüglich aller Kosten) ohne weitere Finanzierung von außen folgende Entwicklung:

Anschubfinanzierung

nach 3 Jahren

nach 5 Jahren

Anzahl Lampen

Betrag ca. €

Anzahl Lampen

Einnahmen jährlich

Anzahl Lampen

Einnahmen jährlich

200

23.000

450

10.260

810

18.468

500

40.000

1200

27.360

2300

52.440

Falls keine weiteren Lampen beschafft und die Mietgebühren weiter erhoben werden stehen die Einnahmen jeweils mit Ende des betreffenden Jahres jährlich zur Verfügung. Sie können wie oben angegeben verwendet werden. Das Jahresgehalt eines Lehrers beträgt ca. 720 €!

5.  Bisherige Erfahrungen

Die bisherigen Erfahrungen beziehen sich auf das seit Oktober 2001 in Mpwapwa (Tansania) mit 130 Lampen (SOLAR 2000) eingesetzte Leasingsystem und sind durchaus erfreulich:

sehr hohe Akzeptanz der Solarlampe und damit starke Nachfrage nach weiteren Solarlampen
pünktlicher Eingang der monatlichen Zahlungen
sehr gute Akzeptanz des vorgeschlagenen Mietsystems
keine Probleme mit der Organisation und Abwicklung

6.  Zusammenfassung

Auf Grund der guten Erfahrungen mit dem Leasingsystem ist zu erwarten, dass die in „2. Zielsetzungen des Mietsystems" genannten Ziele tatsächlich in der Praxis erreicht werden können.
Wesentlich für den Erfolg der Projekte ist die Akzeptanz der Produkte und des Finanzierungssystems. Dabei ist stets auf die regional unterschiedlichen kulturellen, sozialen und ökonomischen Gegebenheiten zu achten.
In vielen Ländern gibt es keine frei konvertierbare Währung. Das erschwert den Nachschub von Bausätzen aus Deutschland in diese Länder. Aber auch für dieses Problem gibt es eine Lösung.
Voraussetzung für den Erfolg des Mietsystems ist eine ausreichende Anschubfinanzierung und vor allem eine vor Ort gut funktionierende Organisation.
Hier wäre es besonders vorteilhaft auf bereits existierende Partnerschaften aufbauen zu können.
Wir würden uns über Interesse an unserem Produkt und dem Mietsystem seitens potentieller Projektträger sehr freuen und laden Sie ein, mit uns darüber zu sprechen.

7.  Projektparameter

Um die finanziellen Entwicklungen eines Projektes abschätzen zu können ist neben den aktuellen Preisen für das Solarsystem die Kenntnis folgender Parameter wichtig (Kosten/Preise jeweils umgerechnet in €):

Zoll und Steuern beim Import der Solarsysteme
heutige monatliche Kosten für Licht (Petroleum, Kerosin)
gewünschte Anzahl Stunden Licht täglich
mögliche Kaution
geplante monatliche Mietgebühr (abzüglich Verwaltungskosten)
lokale Transportkosten
Ausbildungskosten für die Service- und Montagemitarbeiter sowie die Projektleiter
regelmäßige Kosten für die Werkstatt (z. B. Raummiete, Strom, Transport, Kommunikation, ...) einschließlich Personalkosten
Installationskosten für die Solarmodule (einschließlich Nebenkosten)
Anzahl Lampen regional einsetzbar (Anzahl interessierbare Nutzer mit dem zur Verfügung stehenden Transportmittel (Fahrrad, Motorrad, Auto) erreichbar)
Radio gewünscht
geplantes Volumen der Anschubfinanzierung
besondere Randbedingungen

Mit diesen Informationen lässt sich eine individuelle Projektplanung in Absprache mit dem Projektträger durchführen.

Der Verein solarprojekt-freilassing liefert dazu Werkstattausstattung, Bausätze, Montageanleitung und Organisationsmittel. Die Ausbildung der Projektbeauftragten geschieht in Freilassing, die Ausbildung der Werkstattmitarbeiter könnte vor Ort durch Experten des Vereins erfolgen.